Vasilopita – der süße Glückskuchen

Mit dem Anschneiden der Vasilopita wird das neue Jahr feierlich begrüßt. Wer die darin versteckte Münze findet, hat besonders viel Glück.

„Pai o palios o chronos“, „das alte Jahr ist vorbei“ ... mit diesem Lied wird in Griechenland das neue Jahr begrüßt und kurz danach kommt die Vasilopita, der griechische Neujahrskuchen, auf den Tisch. Jeder fiebert dem Anschneiden entgegen und hofft auf die Glücksmünze in seinem Stück. Es gibt Ungeduldige, die zunächst das ganze Stück komplett mit der Gabel untersuchen und dann freudig oder leicht enttäuscht den süßen Krümelhaufen verputzen. Andere essen ganz diszipliniert das ihnen zugedachte Stück, beäugt von den ungeduldigen Tischnachbarn, die in ihrem Stück keine Münze gefunden haben und nun endlich wissen möchten, wer der Glückliche ist.

Vasilopita - griechischer Neujahrskuchen

Ein alter und beliebter Brauch

In den meisten Regionen Griechenlands wird Vasilopita direkt nach Mitternacht angeschnitten. Vor dem Anschneiden wird der Kuchen gesegnet indem der zumeist der Hausherr das Kreuzzeichen über dem Kuchen macht. Nun wird nach einem festgelegten Ritus angeschnitten. Das erste Stück wird Maria und Jesus zugedacht, das zweite dem Haus und seinen Bewohnern, das dritte ist das Stück des Hausherrn und nun folgen alle Familienmitglieder und Gäste. Auch den abwesenden Mitgliedern der Familie wird ein Stück zugedacht. Wer die Münze in seinem Stück findet, der hat im neuen Jahr besonders viel Glück. Versteckt wird traditionell ein „Flouri“, was früher eine wertvolle Goldmünze war. Meine Eltern hatten immer eine 5-Mark-Münze und später ein Euro darin versteckt. Und wie durch ein Wunder gab es immer zwei Münzen in unserer Vasilopita, die immer in meinem und in dem Kuchenstück meines Bruders zum Vorschein kamen. Das hörte allerdings irgendwann auf. Selbst wenn wir an Silvester nicht zu Hause sind, backt meine Mutter immer noch Pita und informiert uns, in welchem Stück die Münze war.

Der heilige Basilius und die Vasilopita

Am Neujahrstag wird dem Heiligen Basilius – griechisch Aghios Vasilios – gedacht und ihm ist die Vasilopita gewidmet. Der Brauch der Vasilopita soll auf ihn zurückgehen, und zwar zu der Zeit, als der Heilige Basilius Bischoff im kappadokischen Kaisarien war. Der römische Präfekt schickte sich an, die Stadt zu erobern und zu plündern. Daraufhin bat der Heilige die Reichen der Stadt um Gold und Schmuck, das diese bereitwillig hergaben. Der Eroberer bereute sein Vorhaben und verschonte die Stadt und seine Bewohner. Nun war der Heilige Basilius erleichtert, er hatte jedoch ein Problem: Er kannte die Besitzer der Schätze nicht. So ließ er das Gold und den Schmuck in süße Brote backen und verteilte diese an alle Bewohner der Stadt. Ein doppeltes Glück für alle Bewohner.

Welche Sorten gibt es?

Rezepte für Vasilopita gibt es wahrscheinlich fast genauso viele, wie es griechische Haushalte gibt. Verbreitet sind zwei Sorten dieser Pita. Die einfache Vasilopita ist ein saftiger Rührkuchen mit Orangenaroma, Vanille und ggf. Mandeln. Die politiki Vasilopita ist ein Hefekuchen mit dem typischen Geschmack von Tsoureki, dem griechischen Osterzopf.

Politiki deshalb, weil sie aus Konstantinopel kommt. Typisch für diese Vasilopita sind die Gewürze Kardamom und Mahlep, das sind Felsenkirschensamen.  Der Kuchen wird noch hübsch dekoriert und meist mit der Jahreszahl und Wünschen beschriftet.

Bei uns kam jedoch eine dritte Variante auf den Tisch, die aus Makedonien stammt. Unser Silvesteressen ist eine herzhafte Pita mit dünnem Filo, entweder mit einer Feta- oder einer Fleischfüllung. Je nachdem, wer sich bei uns in der Familie durchgesetzt hatte. Zwischen den Filoschichten hat meine Mutter die Münze versteckt. Mein Vater schnitt die Stücke an und dann drehte er die Vasilopita. Jeder bekam das Stück, das vor ihm zum Stehen gekommen war. Wie sie es damals schafften uns Kinder auszutricksen, habe ich immer noch nicht herausgefunden. Wir waren immer die Glückspilze in der Familie.

Ein frohes neues Jahr

Καλή Χρονιά