Enthüllt die Geheimnisse des Weinbergs: Kyriakos Kynigopoulos

Der Wein scheint Kyriakos Kynigopoulos in die Wiege gelegt worden zu sein. Er wurde in Thessaloniki geboren und zwar im Stadtteil Ampelokipous, was übersetzt so viel wie Weingärten heißt. Ein kleiner Weinberg war schon zu seiner Grundschulzeit sein liebster Spielplatz, und so gab Kynigopoulos auf die Frage was er denn mal werden wollte Landschaftsgärtner oder Winzer zur Antwort. Sein Vater hätte ihn zwar gerne als Arzt beim Militär gesehen, doch der junge Kynigopoulos entschied sich anders. Er plante seine Weinkarriere bereits im jungen Alter von gerade mal 15 Jahren - akribisch. Zunächst gute Noten in Biologie und Chemie erzielen, Französisch lernen, sowie ein Platz an einer Schule mit önologischem Zweig ergattern. Es folgten wissenschaftliche Studien in der Weingegend Rapsani, wo sich Kynigopoulos intensiv mit dem Weinberg beschäftigen konnte. 1982 begann er seine Ausbildungsjahre in Frankreich (Burgund und Beaujolais). Seit 2006 führt er die Beratungsfirma Burgundia Oenologie und berät Weingüter und Winzer in Burgund.

Herr Kynigopoulos, was bedeutet der Weinberg und der Wein für Sie ganz persönlich?

Mit Wein und Weinberg bin ich bereits früh in Berührung gekommen und war fasziniert. Der Weinberg fasziniert mich, weil er uns Trauben schenkt, die einen neuen Wein entstehen lassen. Ein Weinstock ist eine faszinierende Pflanze, sie kommuniziert mit uns und vertraut uns nach und nach ihr Geheimnis an. Für ein großes Gewächs bildet ein gut umsorgter Weinberg die Basis. Der Winzer sorgt sich um die Gesundheit des Weinbergs, er muss bis in die Wurzeln vordringen, tief in den Boden, um seine Einzigartigkeit herauszuarbeiten und das Terroir im Wein zum Ausdruck zu bringen. Der Wein ist letztendlich eine Trilogie aus Weinberg, dem Menschen und den vorherrschenden klimatischen Bedingungen – und das jedes Jahr aufs Neue. Wein ist für alle Weinmacher eine Lebensart, bei der Arbeit mit Wein kommen die schönsten Gefühle zum Ausdruck: Freundschaft, Freude, Teilen, Leidenschaft... Ein neuer Wein bedeutet nicht nur höchste Zufriedenheit für den Erzeuger, sondern auch eine Möglichkeit, andere Menschen zufriedenzustellen.

Wie kamen sie nach Frankreich und wie kam es zum Entschluss, in Burgund zu bleiben?

Burgund habe ich auf die Empfehlung meines griechischen Professors ausgewählt aber auch weil diese Weingegend große Gewächse aus zwei Rebsorten hervorbringt: Pinot Noir für Rotweine und Chardonnay für Weißweine. Ich merkte schnell, dass Wein in Burgund eine zentrale Rolle spielt, die Menschen sind mit dem Weinberg, den Weinen und seiner Tradition eng verbunden. Das bewog mich Burgund zu meiner Wahlheimat zu machen.

Wo steht der griechische Wein?
In den vergangenen 20 Jahren hat der griechische Wein eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Menschen mit einem erstaunlichen Willen, Geduld und Kreativität sind in der griechischen Weinszene aufgetaucht und haben sich mit den wenigen traditionellen Winzern zusammengetan, um Weine hervorzubringen, die wir heute schätzen. Wie ich schon vorher erwähnte, alles beginnt im Weinberg. Leider hat es lange gedauert, bis geeignete heimische Rebsorten Einzug im griechischen Weinberg gehalten haben –  und es wird noch Zeit brauchen. Hier muss ich vielleicht etwas ausholen und erklären... Es gibt drei Wege, Wein herzustellen: Technologie, der Ausdruck der Rebsorte und der klassische Weg der Weinbereitung. Jeder dieser drei Methoden wird einen anderen Weinstil hervorbringen. In Griechenland basiert die Weinerzeugung auf der Technologie wie übrigens auch in vielen anderen Ländern wie Italien oder Spanien. Die Ergebnisse sind außerordentlich, die Weine sind komplex, reich an Aromen, sie treffen den Geschmack der Konsumenten. Daneben gibt es Winzer, die sich der Rebsorte verschrieben haben und all ihre Facetten im Wein zum Ausdruck bringen. Hier ist Kunstfertigkeit und Kenntnis gefragt. Auch hier gibt es einige würdige griechische Vertreter, die auf internationalem Parkett mithalten können. Klassische Weine, die das Terroirs repräsentieren, sind in Griechenland auch zu finden, jedoch nicht sonderlich häufig.

Wo sehen sie griechischen Wein in Zukunft?

Griechische Weine haben sich sehr gut entwickelt. Immer seltener trifft man auf Weine, die eindeutige Fehler aufweisen. Die Finanzkrise zwingt Weinproduzenten auf Exporte zu setzen und ihre Weine im Ausland zu verkaufen, mit zunehmendem Erfolg. Santorini ist eine Weinlage, die es im Ausland sehr geschätzt wird. Hier ist der Entwicklung schneller vorangegangen als in anderen Weingegenden. Gutgemachte griechische Weine erobern die Märkte in und außerhalb Griechenlands, dank der der guten Qualität und des vergleichsweise niedrigen Preises. Ich würde sagen, der griechische Wein hat es geschafft, ein Nationalprodukt zu werden, genauso wie Olivenöl. Unser Olivenöl transportiert ebenfalls die Einzigartigkeit des Landes und das „Savoir vivre“ des griechischen Produzenten.

Greifen wir den Begriff Terroir auf. Ist es nur ein Marketingbegriff oder gibt es hier in Griechenland ein einzigartiges Terroir?

In Griechenland wird Wein vor allem „technisch“ produziert, dann gibt es gute Cuvées. Einige Weinproduzenten befassen sich in letzter Zeit mit der Einzigartigkeit des Terroirs. Ich schätze mich glücklich, seit 30 Jahren in Burgund zu leben und zu arbeiten, denn hier lernt man Terroir wirklich kennen. Weine aus Burgund, die aus Pinot Noir oder Chardonnay erzeugt werden weisen ganz deutlich die Besonderheiten vom hiesigen Boden und Klima auf. Um ein Beispiel zu geben: In den Herkunftsbezeichnungen gibt es neun Grand Crus (Großes Gewächs, Wein von höchster Qualität). Einige dieser Weinberge liegen dicht nebeneinander und dennoch bringen sie neun unterschiedliche Interpretationen von Pinot Noir hervor, die den einzelnen Weinberg repräsentieren. Auch in Griechenland gibt es Terroirs wie Santorini und andere Weinlagen wie Nemea, Amydaio, Rapsani, Naoussa, Mantinia oder Kreta sind auf einem guten Weg. Aber hier sind viele Versuche, Anstrengungen, Opfer, Geduld und Willen nötig - es ist ein langer Weg.

Wie ist Ihre Meinung zum Wein aus Zypern?

Vor ca. 10 Jahren wurde ich zum ersten Mal nach Zypern eingeladen, um den Wein dort zu verkosten. So fing für mich ein neues önologisches Abenteuer an, oder eine neue Wette rund um Wein. Auf Zypern habe ich Menschen mit großem Wissensdurst kennengelernt. Winzer, die großes Interesse an Weiterbildung und Fortschritt hatten. Die weiße Rebsorte Xynisteri und die rote Sorte Maratheftiko wurden regelrecht wiederbelebt und erfahren heute eine ganz andere Behandlung als früher. Zwei Mal im Jahr besuche ich zehn Weinproduzenten mit denen wir gemeinsam die Basis für guten Wein aus Zypern gelegt haben. Sehr schöne frische und fruchtige Rotweine sind entstanden, die perfekt zur wunderbaren zypriotischen Küche passen. Die Weine zeichnen sich durch weiche Tannine und einer angenehmen Süße aus, die sogar im heißen Sommer wunderbar erfrischend ist. Die weißen Weine sowie die Roséweine spiegeln den zypriotischen Weinberg wider – und verkaufen sich zudem gut. Alte, vergessene Rebsorten werden wieder kultiviert, wie Marokanela oder Spourtiko. Das Weinland Zypern hat seinen Weg gefunden, allerdings müssen die Produzenten auf die Entwicklung ihrer Weinberge achten sowie auf die Qualität ihrer Weine.

Sie reisen sehr viel. Wie nehmen Sie das Bild über griechischen Wein auf ihren Reisen wahr?

Griechischer Wein wird von Tag zu Tag bekannter und findet Anhänger. Wer Urlaub in Griechenland gemacht hat, findet im Wein Erinnerungen wieder. Wer sich mit griechischer Küche beschäftigt sucht entsprechende Weinbegleiter aus dem Land. Auf meinen Reisen bin ich auch Botschafter für griechischen Wein, wann immer sich mir die Gelegenheit bietet, versuche ich Freunden und Kunden vom unserem schönen Wein zu überzeugen. Eine gute Arbeit leistet außerdem der Verband griechischer Weinproduzenten, der Erzeuger bei ihren Präsentationen im Ausland unterstützt. Wir sollten jedoch von unseren italienischen Nachbarn lernen, die sehr erfolgreich ihren Wein durch ihre Küche und ihre Restaurants vermarkten.

Welche Weine würden Sie unseren Lesern empfehlen, die sich ein Bild vom griechischen Wein machen möchten?

Wer dieses kleine Stückchen Paradies namens Griechenland besuchen möchte, der kann es auf drei Arten kennenlernen: Sonne und Meer, Sehenswürdigkeiten und Geschichte oder eben Wein! Um Griechenlands Weine kennenzulernen, braucht man etwas Zeit, es kann ein langer Weg sein aber ein sehr schöner Weg voller angenehmer Überraschungen und Entdeckungen. Um dem Geheimnis des Assyrtiko, das der Lava Santorinis entspringt, auf die Spur zu kommen, braucht es ein paar Ausflüge. Zu entdecken gibt es die fast magische Erde des Pangeo oder von Chalkidike, das einzigartige Klima Amyndeos. Mit den Rebsorten Aghiorgitiko, Xinomavro, Malagouzia und Roditis reist man von den nördlichen Weinbergen in Komotini bis ins südliche Mantinia auf dem Peloponnes, vom westlichen Korfu bis nach Rodos im äußersten Osten. Ich möchte gar keine besondere Empfehlung aussprechen, mein Rat ist ganz einfach. Wo immer sie in Griechenland hinfahren, besuchen sie die dortigen Weinproduzenten, um den griechischen Wein zu erfahren, aber auch etwas von der Tradition , der Gastfreundschaft und der Kultur.