Ikaria – da, wo alles ein wenig anders läuft

Fotos: Nikos Chrisikakis
Es gibt sie noch – griechische Inseln abseits der bekannten Touristenpfade, die es zu entdecken lohnt. Ikaria in der nördlichen Ägäis ist eine davon. 19 km westlich von Samos gelegen, gehört sie zu den südlichen Sporaden. Die, auf den ersten Blick etwas wild erscheinende Insel bietet eine kontrastreiche, traumhafte Natur. Es gibt über 1000 m hohe, teilweise schroffe Berge aber auch sanfte, grüne Hänge, tiefe Schluchten und außerdem Strände für jeden Geschmack.
Den Namen erhielt Ikaria der Sage nach von Dädalus, der hier seinen Sohn Ikarus beerdigte. Die Insel ist ein Paradies für Wanderer – besonders im Frühling erlebt man eine üppig blühende und duftende Pflanzenwelt. Überhaupt ist das Eiland ein wunderbares Reiseziel für Individualisten, die sich auf einen entschleunigten Rhythmus einlassen möchten und ihn genießen können. Zu erreichen ist Ikaria per Flugzeug oder mit der Fähre. Die Insel besitzt zwei Häfen, nämlich Evdilos an der Nordküste und Agios Kirykos, die kleine Inselhauptstadt im Südosten. Wie in den meisten griechischen Orten trifft man sich auch hier erst am Abend auf der, von vielen Geschäften, Cafés und Tavernen umsäumten, Platia am Hafen.
Allerdings gibt es ein Dorf in den Bergen, in dem Tag und Nacht tatsächlich vertauscht zu sein scheinen. In Christos Raches öffnen alle Läden, Restaurants und sogar die Bank erst am späten Abend und schließen gegen 3 oder 4 Uhr nachts. Diese skurrilen Öffnungszeiten haben bereits eine lange Tradition und wurden nicht vom Tourismus beeinflusst.
Ein anderes Dorf, das man während eines Aufenthaltes auf Ikaria besuchen sollte, ist Akamatra, südlich von Evdilos. Malerische Gassen mit schönen, alten Häusern führen zum pittoresken Dorfplatz, auf dem man eine 500 Jahre alten Eiche bewundern kann.
Die Uhren gegen irgendwie anders auf Ikaria. Niemand scheint in Eile zu sein. Vielleicht ist das eine der Erklärungen für die ungewöhnlich hohe Lebenserwartung der Einwohner. Dieses, sogenannte „Blue Zones“ Phänomen, ist inzwischen auch international bekannt. Der Anteil der über 90jährigen ist hier rund 10 Mal so hoch wie im europäischen Durchschnitt.
Die überwiegend gebirgige Insel verfügt über viele, sehr unterschiedliche Strände, die auch in der Hochsaison noch ausreichend Platz bieten. Manche, wie zum Beispiel Mesakti, sind lang und feinsandig, wie aus dem Reisekatalog. Ganz anders der „Seychellen Strand“, eine kleine Bucht mit glasklarem Wasser, die man nach einem 10minütigen Fußmarsch erreicht: Südsee-Feeling pur! In der Nähe von Armenistis fließt der Chalaris-Fluss ins Meer. In diesem grünen Delta von dichter Vegetation, kleinen Wasserfällen und Quellen liegt der Nas Strand. Die Gegend, in der sich auch die Ruinen eines Artemis Tempels befinden, besitzt einen ganz speziellen Charme und Esoteriker sagen ihr mystische Kräfte nach.
Auf Ikaria findet man herrliche Ruhe und Erholung aber auf Wunsch auch überschäumende Lebensfreude und Lebendigkeit, die sich auf den zahlreichen Dorffesten (Panijiria), zu denen jeder herzlich eingeladen ist, zeigen.